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Casting für Unternehmensvideos: die richtigen Talente auswählen

Die Person vor der Kamera trägt das ganze Video. Ob Mitarbeiterin, Schauspieler oder Sprecherin: Wer beim Casting sorgfältig auswählt, spart sich teure Drehtage mit hölzernen Ergebnissen.

Stand: 4. August 2026

Beim Casting für Unternehmensvideos geht es um mehr als um sympathische Gesichter. Die Besetzung entscheidet, ob ein Video glaubwürdig wirkt, ob die Botschaft ankommt und ob der Drehtag im Zeitplan bleibt. Dieser Leitfaden zeigt, wie Unternehmen die passenden Personen finden, prüfen und rechtssicher einbinden.

Die Grundsatzfrage: eigene Leute oder Profis?

Bevor Castingprofile geschrieben werden, steht eine strategische Entscheidung an. Beide Wege haben klare Stärken:

Mitarbeitende vor der Kamera wirken authentisch, kennen die Inhalte und kosten kein Honorar. Sie sind die richtige Wahl für Recruiting-Videos, Experteninterviews, Einblicke in den Arbeitsalltag und Tutorials. Der Preis dafür: Drehs dauern länger, Texte müssen auf natürliche Sprechweise umgeschrieben werden, und nicht jede fachlich beste Person ist vor der Kamera die beste Besetzung.

Professionelle Schauspieler und Sprecher liefern planbar ab: Sie halten Texte, wiederholen Takes ohne Qualitätsverlust und tragen auch schwache Skripte. Sie gehören in Werbespots, Szenen mit Handlung, sensible Themen und überall dorthin, wo eine Rolle gespielt statt eine echte Erfahrung erzählt wird. Für Kundenstimmen sind sie dagegen tabu: Gespielte Testimonials fliegen auf und beschädigen Vertrauen; wie echte Stimmen entstehen, zeigt der Beitrag zu Kundentestimonials in Videos.

Häufig ist die Mischung ideal: Profis für Rahmenhandlung und Voiceover, echte Mitarbeitende für Fachaussagen.

Anforderungsprofil: erst die Rolle, dann die Suche

Ein Casting ohne Profil produziert Zufallstreffer. Vor der Suche sollten fünf Punkte schriftlich stehen: die Funktion der Rolle im Video, die Zielgruppe und wer sie repräsentieren soll, die nötigen Fähigkeiten (freies Sprechen, Teleprompter, Dialekt, Fremdsprache), der Zeitrahmen und das Budget inklusive Nutzungsrechten.

Beim Punkt Zielgruppe lohnt Sorgfalt: Die Besetzung sollte die Menschen widerspiegeln, die das Video erreichen soll, auch in Vielfalt von Alter, Herkunft und Geschlecht. Das ist keine Symbolfrage, sondern Wirkungsfrage: Zuschauer schenken Menschen mehr Vertrauen, in denen sie sich wiedererkennen.

Kurz erklärt: Ein Buyout ist die pauschale Abgeltung der Nutzungsrechte am Bild und Ton eines Darstellers für definierte Kanäle und Zeiträume. Ohne Buyout darf ein Werbevideo unter Umständen nach Ablauf der vereinbarten Frist nicht weiterverwendet werden, auch wenn der Drehtag längst bezahlt ist.

Wo sich passende Talente finden lassen

Für professionelle Besetzungen führen mehrere Wege zum Ziel: Casting-Agenturen übernehmen Vorauswahl und Vertragsabwicklung und lohnen sich bei größeren Produktionen. Online-Casting-Plattformen und Sprecherbörsen bieten durchsuchbare Profile mit Showreels und Hörproben für kleinere Budgets. Hochschulen für Schauspiel und lokale Theater sind eine oft übersehene Quelle für Nachwuchstalente.

Bei der internen Besetzung gilt: Freiwilligkeit vor Hierarchie. Ein kurzer Aufruf mit ehrlicher Beschreibung dessen, was auf die Personen zukommt, bringt bessere Kandidaten als die Ansage, dass die Abteilungsleitung das Video macht. Ein interner Mini-Cast mit Handykamera, zwei Fragen und fünf Minuten pro Person zeigt schnell, wer vor der Kamera natürlich bleibt.

Auswahl in drei Stufen

Bewährt hat sich ein dreistufiges Vorgehen:

StufeWas geprüft wirdWomit
1. SichtungGrundeignung, Typ, AusstrahlungShowreel, Hörprobe, Fotos
2. E-CastingSprechweise, TextverständnisSelbstaufnahme mit kurzem Probetext
3. ProbedrehZusammenspiel, Regieanweisungen, Kamera-WirkungKurzer Termin vor Ort oder remote

Der Probedreh ist die wichtigste Stufe und wird am häufigsten gestrichen. Dabei zeigt erst er, wie eine Person auf Regieanweisungen reagiert und ob die Chemie mit dem Team stimmt. Zehn Minuten Probedreh ersparen einen missglückten Drehtag. Wie der Probedreh in den Gesamtablauf passt, zeigt der Leitfaden zur Planung von Videoprojekten.

Beim Bewerten hilft ein einfacher Kriterienbogen mit Schulnoten für Verständlichkeit, Natürlichkeit, Markenpassung und Umsetzung von Anweisungen. So bleibt die Entscheidung vergleichbar, statt vom Bauchgefühl des lautesten Meetingteilnehmers abzuhängen.

Verträge, Rechte und Honorare

Der rechtliche Teil entscheidet über den langfristigen Wert des Videos. Bei Profis gehören in den Vertrag: Drehzeiten und Honorar, Nutzungsrechte nach Kanälen (Website, Social Media, Werbung, Messen), Laufzeit und Territorium, Regelungen für Verlängerung sowie ein Passus zu KI-Nutzung und Bearbeitung des Materials. Bei Mitarbeitenden ist die schriftliche Einwilligung Pflicht, inklusive Regelung für den Fall des Ausscheidens.

Honorarseitig gilt: Nutzungsrechte treiben den Preis stärker als der Drehtag selbst. Ein Video, das nur auf der Karriereseite läuft, kostet weniger Rechte-Budget als ein beworbener Social-Media-Spot. Diese Posten gehören von Anfang an in die Kalkulation; wie sie eingeplant werden, beschreibt der Artikel zur Budgetierung von Unternehmensvideos.

Am Drehtag: Menschenführung entscheidet

Die beste Besetzung liefert nur mit guter Anleitung ab. Bei Laien gilt: Gespräch statt Aufsage. Wer Mitarbeitenden den Text wortwörtlich vorschreibt, bekommt hölzerne Ergebnisse; wer stattdessen Fragen stellt und die Antworten später schneidet, bekommt natürliche Sätze. Hilfreich sind kurze Aufwärmfragen abseits des Themas, ein aufgeräumtes Set ohne zuschauende Kollegen und die ausdrückliche Erlaubnis, Fehler zu machen. Bei Profis dreht sich die Regiearbeit um Präzision: klare Ansagen zu Tempo, Tonlage und Zielgruppe statt vager Wünsche wie “etwas sympathischer”. In beiden Fällen lohnt es, die ersten Takes bewusst als Einspielrunden zu verbuchen und erst ab Take drei ernsthaft zu bewerten.

Fazit: Casting ist Risikomanagement

Gutes Casting ist unsichtbar: Das fertige Video wirkt einfach stimmig. Schlechtes Casting dagegen kann kein Schnitt der Welt retten. Wer die Rolle sauber definiert, in Stufen auswählt, einen Probedreh einplant und die Rechte vertraglich festzurrt, nimmt dem Drehtag sein größtes Risiko. Weitere Bausteine der Produktion versammelt der Themenbereich Unternehmensvideos.

Häufige Fragen

Mitarbeitende oder professionelle Schauspieler: was ist besser?

Das hängt vom Format ab. Für Recruiting, Kundenstimmen und Einblicke wirken echte Mitarbeitende glaubwürdiger. Für Werbespots, Szenen mit Dialog und Rollenspiele liefern Profis verlässlicher ab, weil sie Text, Timing und Wiederholungen gewohnt sind.

Was kostet ein professioneller Darsteller für ein Unternehmensvideo?

Die Spanne ist groß und hängt von Erfahrung, Drehdauer und vor allem den Nutzungsrechten ab. Ein Tagessatz deckt meist nur den Dreh; Buyouts für Werbung, Laufzeit und Reichweite kommen dazu. Deshalb immer Gesamtpaket inklusive Rechten anfragen, nie nur den Tagessatz.

Brauchen Mitarbeitende im Video eine schriftliche Einwilligung?

Ja, unbedingt. Die Einwilligung sollte Verwendungszwecke, Kanäle und Dauer benennen und regeln, was beim Ausscheiden aus dem Unternehmen gilt. Eine mündliche Zusage schützt nicht, wenn Jahre später die Löschung des Videos verlangt wird.